Zwölf Jahre schleppte sich der Dreißigjährige Krieg bereits dahin, als in Memmingen im Jahre 1630 einen Sommer lang gewissermaßen in den Mittelpunkt großer europäischer Politik rückte.
Wallenstein, einer der ersten Felherren modernen Stils, vor allem in den Grundsätzen der Führung und Logistik seines von ihm geworbenen Heeres, das er für Kaiser Ferdinand II. einsetzte, schlug in Memmingen seine Residenz auf.
Nach dem Einzug mit Hunderten von Pferden, vielen Kutschen und Wagen, entfaltete er eine prunkvolle Hofhaltung mit Empfängen hoher ausländischer Gäste, Reiterspielen und anderen Lustbarkeiten. Sein Erfolg hatte den Höhepunkt erreicht, Titel und Ehren häuften sich auf ihn: Herzog von Friedland, Mecklenburg und Sagan, Generalissimus und Admiral der baltischen und ozeanischen Meere.
Seine Macht richtete sich auch gegen die Kurfürsten des Reiches. auf dem Kurfürstentag zu Regensburg, der zu dieser Zeit stattfand, erwirkte Kurfürst Maximilian von Bayern die Absetzung Wallensteins. Überreicht wurde ihm diese von den Hofkriegsräten Questenberg und Werdenberg in Memmingen - jener Stadt, die er sich ihrer geopolitisch günstigen Lage wegen ausgesucht hatte, um seine diplomatischen Aktivitäten nach Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz ausüben zu können.
Dem Aufenthalt Wallensteins verdankt die Bevölkerung Memmingens so etwas wie eine Atempause in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. in der freien Reichsstadt ging derweil das Leben seinen gewohnten Gang, nur das läuten Kirchenglocken und das nächtliche Ausrufen der Stunden durch den Nachtwächter untersagte der lärmempfindliche Herzog von Friedland.
Der Chronist Sebastian Dochtermann umschreibt die distanzierten Sympathien der Memminger für Wallenstein mit folgenden Worten:
" In dißer Zeit weill der Herzig alhie gelegen ist alles ganz wolpfell worden und alles woll gerauten, dan weill der Herzig in der Statt gelegen, ist Glückh und Heill gewest "
Mit 4500 Männern, Soldaten, Frauen und Kindern, 300 Pferden, prukvollen Kutschen und über 50 Wagen zieht Wallenstein an den beiden Sonntagen in die Stadt ein. Er wird begleitet vom französischen Gesandten Leon de Bruslart mit Pere Joseph und dem Prinzen Ulrich von Dänemark. Viele Trosse, Spielleute und Marketendereien folgen dem Heereszug.
Täglich findet in zwei großen Heerlagern das Lagerleben, Theater auf dem Marktplatz, Lagerspiele, Reiterspiele statt.
Das nächste Wallensteinspel ist im Juli 2012
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